Brüggen liegt im Schwalmtal, der Ort ist mit dem Fluss seit
jeher eng verbunden. Durch das Absacken des Venloer Graben
sammelte sich viel Wasser an, die Tonschichten verhinderten das
Durchsickern; so haben sich dadurch ausgedehnte Niedermoore
gebildet.
Die Schwalm grub sich ein Bett in die Brüggener Scholle, aus den Seiten Flossen
kleinere
Bäche und Rinnsale hinzu.
Das Einzugsgebiet der Schwalm beträgt etwa
243 qkm, das Quellgebiet im Tüschenbroicher
Kessel ist als Ursprung der Schwalm
anzusehen. Durch das geringe Gefälle
konnten sich vier Seen bilden, der größte ist
der Hariksee
(ca. 1.250 m lang, 250 m breit, 3 m tief), ein
allgemein beliebtes Ausflugsziel.
Der Borner See wird vom Kranenbach,
einem Nebenfluss der Schwalm, gespeist.
Durch den früheren klaren Zustand der Schwalm, wurde er meist zum Aufbessern
der
nicht gerade üppigen häuslichen Verpflegung durch den Fischbestand genutzt.
Der Wasserreichtum bedeutete auch, dass damit viele angrenzende Flächen versumpft
waren.
So ging man daran, Regulierungsmaßnahmen (Flussbettvertiefung, Laufbegradigung,
Anbindung von Seitengräben usw.) vorzunehmen.
Ende 1920 trat eine Genossenschaftsversammlung zusammen, die recht stürmisch
verlief.
Die begonnenen Arbeiten hatten bereits 250.000 DM an Kosten verursacht, die es
aufzuteilen galt, zudem gab es technische Schwierigkeiten. Die Melioration kam
später wiederholt ins Stocken, bis letztlich der Reichsarbeitsdienst ab dem
Jahre 1937 das Ende herbeiführte.
Nebeneffekt am Unterlauf war, dass durch die Trockenlegung weitere Ackerflächen
nutzbar gemacht wurden. Im "Bruch" haben sich so in den 30er Jahren
mehrere Siedler niedergelassen, um durch Gemüseanbau ihre Existenz zu sichern.
Die Durchführung der Meloration galt damals, wegen der so hohen Arbeitslosigkeit
der 20er Jahre, auch als eine Beschäftigungsmaßnahme. Es wurden ca.
250 Arbeiter aus der Umgebung eingestellt, die vielfach zu Fuß, besserenfalls
mit dem Fahrrad, zur Einsatzstelle gelangten. Als Arbeitspensum waren täglich
10 Stunden zu leisten, unterbrochen von nur einer 15 minütigen Pause. Für
die harte Arbeit zahlte man damals 60 Pfennige Lohn pro Stunde. Man war darüber
sehr froh, hatte man doch mit der Arbeit den Broterwerb gesichert!
Inzwischen ist der Schwalmverband "Herr der Dinge", kümmert
sich um geordnete Verhältnisse in und am Flussgebiet.
Die damaligen "paradiesischen Zustände" sind noch nicht erreicht,
doch konnte die Wasserqualität der Schwalm inzwischen - durch höhere
Anforderungen an die Kläranlagen - deutlich verbessert werden.
In der Schwalm tummeln sich wieder Fische und schon in dieser Gegend verschwundene
Arten kehrten hierhin zurück.
Dazu beigetragen hatte allerdings nicht nur die Wasserqualität, sondern auch
die großflächige Renaturierung, bei der die Schwalm ihr altes Flussbett
wiederbekam, sowie viele kleine Tümpel und Rückzugsgebiete angelegt
wurden.
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